Samstag, 7. April 2012

Karsamstag


Lied am Grabe  

Niemand weiss, wie lange werden wir noch sein,
morgen oder heute holt der Tod uns ein.
Keiner kann uns helfen, jeder stirbt allein,
und es bleibt am Ende nur ein Grab, ein Stein.

Alle unsre Namen wird der Wind verweh'n,
oder ruft uns einer, dass wir fort besteh'n?
Kann es sein, dass Gott uns einst vom Tod befreit
und in Freude wandelt alles Menschenleid?

Ob wir dann wie Kinder vor dem Vater stehn
und mit neuen Augen seine Wunder sehn?

Werden wir dann hören, wie die Schöpfung singt,
wie das Lied der Sterne und der Blumen klingt?
Eine neue Erde, wie soll das gescheh'n,
dass wir unsre Lieben einmal wieder sehn?

Oder sind das Träume, die wir uns erdacht?
Wer von uns ist jemals aus dem Tod erwacht?
Wer wälzt von dem Grabe uns den schweren Stein?
Wer kann, wenn wir tot sind, uns vom Tod befreien?

Einen sah ich sterbend in das Leben gehen,
und ich will ihm glauben, dass wir auferstehen.
(Lothar Zenetti)

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